28-07-2022 | Landschaft + Ressourcen News

18 Tipps zur Kreislaufwirtschaft für Gemeinden

Maßnahmen, hilfreiche Plattformen, aktuelle Förderungen und spannende Good Practices

Im vergangenen Jahr hat das Regionalmanagement eine Studie zur Kreislaufwirtschaft für den Steirischen Zentralraum in Auftrag gegeben, die sich speziell auf die Erarbeitung von lebensnahen Lösungen für Gemeinden fokussierte. In den Sommermonaten dürfen wir Ihnen nun die Ergebnisse dieser Kreislaufwirtschaftsstudie in Form von 18 Tipps für Gemeinden präsentieren.

Ressourcen werden knapp – umso wichtiger, dass wir einen bewussten Umgang mit vorhandenen Rohstoffen pflegen. Zu diesem Thema adressiert der 2020 veröffentlichte EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft verstärkt auch die Rolle der Gemeinden. Das Regionalmanagement hat im Zuge dessen im vergangenen Jahr eine Studie zur Kreislaufwirtschaft für den Steirischen Zentralraum in Auftrag gegeben, die Maßnahmen für Gemeinden in den Fokus rückt. Auf Basis der Studie wurden 18 Tipps für Gemeinden formuliert:

1. Reparieren statt wegwerfen

Reparaturcafés & Re-Use Sammeltage im Steirischen Zentralraum

Reparatur spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Kreislaufwirtschaft. Ganz nach dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe bieten RepairCafés die Möglichkeit, defekte Alltagsgegenstände aller Art gemeinsam bzw. mit fachlicher Unterstützung wieder instand zu setzen.

Gemeinden können dafür Plattformen bieten und geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, um eine Vernetzung zwischen zentralen Akteur:innen der Abfallwirtschaft, Reparaturexpert:innen, Re-Use Läden und der Bevölkerung zu schaffen. Im Steirischen Zentralraum gibt es bereits zahlreiche und erfolgreiche, wie die Repair Cafés in Voitsberg, Graz oder Gratwein-Straßengel. Dennoch gibt es in der Region noch viel Potential, um ein flächendeckendes Angebot zu schaffen!

Dingen eine zweite Chance geben klappt auch über die Organisation von Re-Use Sammeltagen. Die Gemeinde Seiersberg-Pirka ist hier bereits seit 2014 in Kooperation mit der Caritas aktiv und veranstaltet regelmäßige Re-Use-Aktionswochen.

Hilfreiche Plattformen und Links

Auf der Website des Österreichischen Re-Use und Reparatur-Netzwerks RepaNet sind viele nützliche Infos sowie eine Liste österreich- bzw. steiermarkweiter RepairCafés zu finden.

Eine gute Zusammenschau wichtiger Infos und Leitfäden für die Organisation von Repaircafés gibt es ebenso bei DIE UMWELTBERATUNG.

Kennen Sie bereits die Re-Use Landkarte Steiermark?
Sie gibt einen Überblick über steiermärkische Re-Use Einrichtungen mit persönlicher Übernahme/Weitergabe von abgegebenen Waren. Via Online-Formular haben Betriebe die Möglichkeit, sich in der Re-Use Landkarte Steiermark verorten zu lassen.

2. Plattformen zum Teilen & Verleihen in Gemeinden einrichten

Verleihläden, Kost-nix Läden und Sharing-Netzwerke mittels Online-Plattformen

Verleihen und Re-Use sind Kernelemente der Kreislaufwirtschaft. Eine gemeinschaftliche Nutzung von Gegenständen spart Geld, schont Ressourcen und schafft Platz.

Gemeinden können dabei als wichtiger Vermittler auftreten und Sharing-Infrastruktur bereitstellen. Das kann beispielsweise in Form von Verleihläden geschehen, in denen nützliche Alltagsgeständen wie Werkzeuge und Haushaltsgeräte bereitgestellt werden.

Sharing-Netzwerke aktivieren!

Eine weitere Maßnahme ist die Aktivierung von Sharing-Netzwerken mittels Online-Plattformen. Mit der Initiative „Pumpipumpe“ zeigt Bern vor, wie das gelingen kann: Personen können auf einer Online-Karte ihre persönlichen Leihgegenstände eintragen. Nach dem Prinzip „Teilen statt Kaufen“ wird hier der Dialog zwischen Nachbarn gefördert, um die Potenziale im Nachbarschafts-Netzwerk besser nützen zu können.

Kost-nix Läden in Gemeinden etablieren!

Mitnehmen, was gebraucht wird und bringen, was man selbst nicht mehr benötigt. Dieses Prinzip wird in Kost-nix-Läden gelebt, denn gut erhaltene, und nützliche Alltagsgegenstände sollen nicht im Müll landen. Im Steirischen Zentralraum gibt es bereits einige Gemeinden mit Kost-nix Läden wie zum Beispiel Hart bei Graz, Söding St. Johann, Hitzendorf und Frohnleiten.

Hilfreiche Plattformen, Links und Good Practice-Beispiele

Der Verleihladen leila.wien und die Sharing Plattform Pumpipumpe zeigen bereits vor wie’s geht – Jetzt sind die Gemeinden am Zug, solche Systeme auch auf kommunaler Ebene zu etablieren.

 

Online Talk zum Thema „Reparieren, Verleihen, Re-Use“

In einem Online-Talk diskutierten wir mit Expert:innen über Chancen und mögliche Aktivitäten für Gemeinden im Bereich der kommunalen Kreislaufwirtschaft. Dabei drehte sich alles um die Themen Reparieren, Verleihen und Re-Use! Darunter findet sich auch das Beispiel der Verleihläden: Eine gute Möglichkeit Ressourcen zu schonen, die Gemeinschaft zu stärken und vielleicht sogar einen Leerstand im Zentrum zu aktivieren.

3. Ortskerne beleben und Leerstand nutzen

Am Beispiel der Köflacher Passage

Bodenverbrauch ist auch in der Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Aspekt, ist doch der Boden einer unserer wichtigsten Ressourcen.

Um übergeordnete Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele zu erreichen, hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch bis 2030 von 11,5 Hektar (Jahr 2020) auf 2,5 Hektar pro Tag zu reduzieren. Die Aktivierung untergenutzter Standorte, der Erhalt kompakter Siedlungsstrukturen und das Nutzen von bestehender Bausubstanz sind wichtige Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Im Steirischen Zentralraum nimmt man sich diesem Thema bereits an:

Unterstützt durch das Regionalbudget ist nach längerem Leerstand in der Köflacher Passage die moderne Bezirksbibliothek Lipizzanerheimat entstanden. Anfang 2021 und passend zum 120-jährigen Jubiläum der ersten Bücherei in Köflach erfolgte der Umzug in die neuen (alten) Räumlichkeiten. Darüber hinaus zogen weitere Shops nach, wodurch die Passage wieder zu einem attraktiven Angebot im Zentrum wurde.

Bundesförderung für Flächenrecycling

Für Projekte wie die Belebung der Köflacher Passage gibt es aktuell auch eine Förderung im Rahmen des Österreichischen Aufbau- und Resilienzplanes (ÖARP). Gefördert werden Entwicklungskonzepte zur Wiedernutzung sowie Untersuchungen des Untergrundes und der bestehenden Bausubstanz.

4. Brachen nutzen, grüne Wiesen schonen

Flächenrecycling & Innenentwicklung

Um die wertvolle Ressource Boden zu sparen, ist unsere Flächennutzung eng mit dem Thema Kreislaufwirtschaft verknüpft. Dies beinhaltet auch die (Re-)Aktivierung nicht mehr genutzter oder untergenutzter Flächen, denn darin steckt viel Potential: Eine Studie zur Abschätzung der aktuellen Brachflächensituation aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass österreichweit etwa 5.000 bis 10.000 solcher Standorte vorhanden sind.

Die Unterstützung der Innenentwicklung vor Außenentwicklung, etwa durch Maßnahmen zur Ortszentrumsstärkung und die innovative Neunutzung von brachliegenden Flächen sind hierbei wichtige Themen, bei denen Gemeinden ansetzen können.

Im Burgenland entsteht derzeit am Gelände einer ehemaligen Erbsenschälfabrik  – genannt „die Erbse“ – das neue Ortszentrum der Gemeinde Bruckneudorf. Aus der Gebäudesubstanz der denkmalgeschützten Fabrik entsteht die erste Volksschule der Gemeinde; die umliegenden Areale sollen in Zukunft als Kulturzentrum und Wohnraum fungieren. Dabei gilt: Aus alt mach neu! Zwei 43 Meter hohe Betonsilos sollen beispielsweise in den neuen Wohnbau integriert werden. Die Volksschule soll noch im August 2022 und damit rechtzeitig vor dem Schulstart 2022 / 23 eröffnet werden.

Hilfreiche Plattformen, Initiativen und Veranstaltungen

Der Brachflächen-Dialog ist ein mehrjähriges Programm des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) mit dem Ziel, Brachflächen wieder in die Nutzung zu bringen und so der voranschreitenden Flächenversiegelung entgegenzuwirken. Das Service bietet Infos zu aktuellen Förderungen und veranstaltet quartalsweise kostenlose Webinare. Ab 2023 soll zudem ein niederschwelliges Beratungsangebot für Standorte mit eventueller Kontamination starten.

 

Veranstaltungstipp Brachflächen-Gipfel

Das Umweltbundesamt lädt ein zum ersten Brachflächen-Gipfel am 13. September 2022 in Wien. Im Rahmen der Großveranstaltung werden Neuigkeiten rund um das Brachflächen-Thema ausgetauscht und Erfahrungen aus dem In- und Ausland vorgestellt.

 

Bodenschutzpreis „ERDREICH“ 
Mit dem neuen Bodenschutzpreis „ERDREICH“ will das Klimaschutzministerium Anreize für aktiven Bodenschutz setzen und die Initiativen von Privatpersonen, Gemeinden und Verbände vor den Vorhang zu holen. Der Preis beinhaltet die Unterkategorie Flächenrecycling und wird im Rahmen des Brachflächen-Gipfels erstmals verliehen.

5. Baumaterial aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden

Zirkuläres Bauen am Beispiel des Agrarbildungszentrum Salzkammergut

Der Energie- und Rohstoffkonsum ist in kaum einer Branche so hoch wie in der Bauindustrie. Gemeinden können hier eine Vorreiterrolle in der Kreislaufwirtschaft einnehmen und den Bezug von Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen sowie Projekte mit Recycling und Wiederverwendung von Baustoffen fördern.

Good Practice: Agrarbildungszentrum Salzkammergut

Durch die Zusammenlegung zweier Schulen in Altmünster bestand die Notwendigkeit, das bestehende Schulgebäude zu erweitern. Dabei wurde auf die Beschaffung regionaler Baumaterialien und nachwachsender Rohstoffe wie Holz gesetzt. Zusätzlich wurden erhaltene Gebäudeteile im Neubau wiederverwendet, um wertvolle Ressourcen zu sparen. Der so entstandene Holzbau gewann sieben Wettbewerbe und Preise und dient als Vorzeigeprojekt für die nachhaltige und architektonisch gelungene Umsetzung eines Schulprojekts.

Hilfreiche Plattformen und Links

Viele interessante Informationen und weitere Good Practice Beispiele rund ums Thema kreislauffähige Bauwirtschaft finden sich im Endbericht des Projektes KreislaufBAUwirtschaft, einer Initiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK).

6. Recycling und Wiederverwendung von Bauteilen und Baurestmassen

Zirkuläres Bauen

Rund 40% der CO2-Emissionen und nahezu ein Drittel aller Abfälle in der EU entstehen durch das Baugewerbe. Bei der Ablagerung von Bauschutt gehen Jahr für Jahr wertvolle Ressourcen verloren. Durch das Recycling und die Wiederverwendung von Baustoffen kann Kreislaufwirtschaft auch bei Bauvorhaben forciert werden.

Zirkuläre Wertschöpfung kann bspw. durch die Einforderung von Recyclingkonzepten bei Planer:innen für den späteren Rückbau erreicht werden.

Hilfreiche Plattformen, Online Talks und Initiativen

Beratung für Gemeinden

BauKarussell vernetzt Architekt:innen, Reparaturnetzwerke und sozialwirtschaftliche Unternehmen mit dem Ziel, eine zirkuläre Bauwirtschaft zu etablieren. In einem Online-Katalog finden sich aktuelle Angebote an wiederverwendbaren Bauteilen. Für Gemeinden und Bauträger bietet die Initiative außerdem Beratungsangebote bei Abbruch- und Bauprojekten, um die Wiederverwendung und das Recycling von Baustoffen bestmöglich zu fördern.

 

„CircularEconomy Report“ – Konkrete Lösungen und Werkzeuge in Form einer Toolbox 

Zirkulär Bauen heißt zukunftsfähig sein. Es bedeutet wo möglich Bestand zu erhalten, die gebaute Umwelt im Sinne des Urban Mining als Rohstoffquelle zu verstehen, Kreisläufe im Rückbau schließen und Recyclingmaterialien einzusetzen. Die DGNB hat in ihrem „CircularEconomy Report“ einen Leitfaden zum Schließen von Kreisläufen im Bauwesen entwickelt. Darin werden konkrete Lösungen und Werkzeuge in Form einer Toolbox vorgestellt, darunter auch eine Checkliste für Umbau- und rückbaufreundliche Planung.

 

Online Talk – Bauwirtschaft, Flächenwidmung und Leerstandsmanagement in einer regionalen Kreislaufwirtschaft

Im Zuge des Online-Talks im vergangenen Herbst waren wir gemeinsam mit Mag.a Barbara Hammerl vom stadtLABOR Graz im Gespräch mit Architekt DI Thomas Romm und Sebastian Hafner, BSc aus dem Projektteam von BauKarussell!

7. Energiesysteme zirkulär gestalten

Erneuerbare Energiegemeinschaften (EEG)

Erneuerbaren Energiegemeinschaften stellen eine neue Form der Erzeugung, Verteilung und Konsumation von Energie dar. Seit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG 2021) besteht neben Privaten und KMU auch für Gemeinden die Möglichkeit, direkt Teil einer Energiegemeinschaft zu sein und damit ein aktiver Teil der Energiewende zu werden.

Es eröffnen sich somit für Kommunen vollkommen neue Handlungsmöglichkeiten, um das Thema „Energie“ in ihrem Gemeindegebiet gesamtheitlich neu zu denken und Ortsteile mit eigens produzierter Energie zu versorgen.

Erste Gründungen von EEG sind im Steirischen Zentralraum bereits im Gange. So zum Beispiel in der Gemeinde Geistthal-Södingberg im Bezirk Voitsberg.

Hilfreiche Plattformen und Beratungsangebote

Die Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften bündelt alle wichtigen Infos rund um Aufbau, Organisation und Netzanforderungen sowie Good Practices und nützliche Tools rund ums Thema!

Steiermarkweite Servicestelle ist die Energie Agentur Steiermark, deren Koordinationsstelle begleitend und beratend zur Verfügung steht.

8. Energieeffiziente Gebäude schaffen

Mustersanierung der Volksschule Semriach

Volksschule 2.0 in Semriach: Das alte Schulgebäude war in die Jahre gekommen und zudem nicht barrierefrei, daher entschied sich die Gemeinde für einen umfassenden Gesamtsanierungsprozess. Neben Ausbau und Neugestaltung des Ober- und Dachgeschosses erfolgte die thermische Sanierung, der Einbau eines Lüftungssystems mit Wärmerückgewinnung, eine außenliegende Verschattung, die Optimierung des Beleuchtungssystems sowie die Errichtung einer Photovoltaikanlage. Insgesamt kann die CO2-Bilanz des Schulgebäudes so um rund 82 Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Zur Mustersanierung Volksschule Semriach

Förderung Mustersanierung

Unterstützt wurde das Projekt “Volksschule 2.0 in Semriach” vom Klima- und Energiefonds über die Förderung Mustersanierung. Im Rahmen der aktuellen Ausschreibung sind Einreichungen noch bis zum 24. Februar 2023 möglich!

Fortsetzung folgt...

Unsere Tipps 9 bis 18 präsentieren wir Ihnen im August auf Facebook

Ab September 2022 finden Sie außerdem eine Gesamtübersicht aller 18 Tipps zur Kreislaufwirtschaft für Gemeinden in unserem Schwerpunkt Landschaft + Ressourcen.

Das Thema Kreislaufwirtschaft ist ein Aktionsfeld der Regionalen Entwicklungsstrategie 2020+. Die Erarbeitung der Studie ist Teil des Projektes Klima- und ressourcenstarke Region.

Unterstützt aus Mitteln des Steiermärkischen Landes- und Regionalentwicklungsgesetzes.