PROJEKTBESCHREIBUNG
Der historische Ortskern von Gratwein, einst ein pulsierendes Zentrum, kämpft mit den Herausforderungen der Zeit. Leerstände und ein Verlust an Wohnqualität prägen das Ortsbild.
Mit dem Projekt OK Gratwein II setzte die Marktgemeinde Gratwein-Straßengel konkrete Schritte zur Belebung ihres Ortskerns. Aufbauend auf dem breiten Beteiligungsprozess aus Phase I (2023) wurden Leerstände erhoben, ein digitales Immobilienmanagementsystem implementiert und Eigentümer:innen sowie Gewerbetreibende durch Stammtische und gezielte Ansprache aktiviert. Als sichtbares Zeichen wurde das ehemalige Papierwarengeschäft „Courage“ zum offenen Projektraum umgestaltet. In Kooperation mit einer zivilgesellschaftlichen Gruppe entstand ein Konzept, um das Thema Inklusion als Profilmerkmal im Ortskern zu verankern. Der Salon Courage bietet als Zwischennutzungsprojekt Raum für Begegnung, Beratung und kreative Impulse. Parallel wurde ein strategischer Abstimmungsprozess mit dem Land Steiermark gestartet, um Förderlogiken, Verkehrsfragen und Planungsinstrumente besser zu verzahnen. Das Projekt schafft eine fundierte Basis für den Aufbau eines Leerstandsmanagements – auch in Kooperation mit anderen Gemeinden – sowie für einen integrierten Masterplan zur Ortskernentwicklung. Gratwein positioniert sich damit als Pilotgemeinde für zukunftsorientierte Innenentwicklung im ländlichen Raum.

ERGEBNISSE
Mit dem Projekt OK Gratwein setzte die Marktgemeinde Gratwein-Straßengel von Juni 2024 bis März 2025 konkrete Maßnahmen zur Belebung ihres Ortskerns um.
Aufbauend auf den breit angelegten Beteiligungsprozess der ersten Projektphase wurden Leerstände systematisch erhoben und in einem digitalen Immobilienmanagementsystem erfasst. Eigentümer:innen und Gewerbetreibende wurden über persönliche Gespräche und mehrere Stammtische in den Prozess eingebunden und für neue Nutzungen sensibilisiert.
Ein zentrales sichtbares Ergebnis war die Umgestaltung des ehemaligen Papierwarengeschäfts „Courage“ zum Salon Courage. Dieser Projektraum bot Raum für Begegnung, Beratung und kreative Impulse und diente zugleich als Symbol für Aufbruch und Offenheit im Ortskern. In Kooperation mit einer zivilgesellschaftlichen Gruppe entstand zudem ein Konzept, das das Thema Inklusion als zentrales Profilmerkmal im Ortskern verankerte.
Parallel dazu initiierte die Gemeinde einen strategischen Dialog mit den Landesabteilungen A16 (Raumplanung) und A17 (Ortskernentwicklung), um Förderlogiken, Verkehrsfragen und Planungsinstrumente besser zu verzahnen. Dabei wurden Schnittstellen zu Landesstrategien aufgezeigt, Best-Practice-Beispiele diskutiert und Grundlagen für einen integrierten Masterplan gelegt.
Das Projekt schuf damit eine fundierte Basis für den Aufbau eines strukturierten Leerstandsmanagements, das auch auf andere Gemeinden übertragbar ist. Gratwein-Straßengel konnte sich so als Pilotgemeinde für zukunftsorientierte Innenentwicklung im ländlichen Raum profilieren und wichtige Erfahrungen für die künftige Ortskernentwicklung sammeln.
Leerstandserhebung und Sockelzonenerhebung
- 90 Erdgeschoßnutzungen systematisch erfasst → ca. 30 % Leerstandsquote im Ortskern.
- Ergebnisse wurden in einer digitalen Karte visualisiert und sind öffentlich zugänglich.
- Daraus ergibt sich erstmals eine fundierte Datenbasis für zukünftige Maßnahmen.
Online-Immobilienplattform (KOMSIS)
- Entscheidung nach SWOT-Analyse bewusst für eine frugale, leicht bedienbare Lösung.
- Integration auf der Gemeindehomepage vorbereitet, mit Konzept für Landingpage und Unterseiten (z. B. Förderinfos, Salon Courage, Raumgesuche).
- Datenschutzthemen aktiv gelöst (OpenStreetMap statt Google Maps, DSGVO-Verträge).
Eigentümer- & Gewerbestammtische
- Förderinfo-Veranstaltung gemeinsam mit dem Land Steiermark (A17) durchgeführt.
- Eigentümer:innen zeigten Interesse, aber auch hohen Bedarf an individueller Beratung.
- Gewerbestammtisch diskutierte sogar die Wirtschaftsvision von 2004 – viele Probleme damals sind auch heute noch aktuell (Leerstand, schwache Vernetzung, Aufenthaltsqualität).
- Es gab erste Raumanfragen (z. B. Yogastudio, Büroflächen).
Inklusion
- Inklusion wurde als mögliches Alleinstellungsmerkmal (USP) für den Ortskern herausgearbeitet.
- Austausch mit Lebenshilfe Österreich und Best-Practice-Vergleich mit Wiener Neudorf.
- Entwicklung eines eigenen Konzeptpapiers für Inklusion in Gratwein.
Monitoring-System
- Entwicklung eines vierstufigen Monitorings: Leerstandsdaten, Nutzung der Plattform, Zusammenarbeit vor Ort, Image des Ortskerns.
- Soll künftig mit jährlichem Monitoringbericht im Gemeinderat fortgeführt werden.
Fazit & Ausblick
- Trotz Wahlen und politischer Übergangsphasen: Projekt hat sichtbare Bewegung ausgelöst.
- Empfehlung: Einrichtung einer Ortskernkoordination, stärkere Nutzung von EFRE/BZ-Mitteln, Integration in „Starke Zentren“.
- Es zeigte sich, dass insbesondere sichtbare Investitionen und verlässliche Strukturen entscheidend dafür sind, das Vertrauen der Bevölkerung dauerhaft zu stärken
Ansprechperson:
Thomas Frewein
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thomas@frewein.at







