Baukultur: Bauen im Steirischen Zentralraum

Foto (c) Landentwicklung
Foto (c) Landentwicklung

Die Region Steirischer Zentralraum wächst stetig und findet sich zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen Bestand und Erweiterung bzw. Stadt und Land.

Besonders die Stadtregion Graz befindet sich unter einem starken Siedlungsdruck. Der Bereich südlich, südöstlich und südwestlich von Graz gehört zu den stärksten wachsenden Regionen in Österreich und entwickelt sich weiter als Wohnregion, aber immer stärker auch entlang der Verkehrsachse Graz-Leibnitz als gewerbedominierter Raum. Der Westen, aber auch Teilbereiche im Norden des Zentralraums (Bez. Graz-Umg.) weisen Bevölkerungsverluste und Abwanderung mit entsprechenden strukturellen Folgen (Leerstand, Verlust von Gewerbe und Dienstleistungen in den Ortszentren etc.) auf. Ein sensibler Umgang mit den vorhandenen Ressourcen und landschaftsorientierte zukünftige Nutzung soll unterstützt und erreicht werden.

Angestrebte Zielsetzungen und Maßnahmen:

  • Verbesserung der baukulturellen Entwicklung im Steirischen Zentralraum, Schaffung von Argumentationshilfen und Unterstützung der Baubehörden
  • Unterstützung einer geordneten Entwicklung der immer geringer werdenden freien Flächen sowie das Verhindern von Nutzungskonflikten
  • Bewusstseinsbildung für die Förderung der gestalterischen Qualität, sowie auf Zusammenspiel von gebauter Umwelt und Fragen des Klimawandels
  • Fachliche Begleitung und Bearbeitung von zwei Pilotprojekten
  • Erarbeiten eines baukulturellen Leitbildes und teilregionaler Leitfäden
  • Einrichten eines regionalen Gestaltungsbeirates als Beratungsgremium

Aktivitäten 2018

  • Gemeinde Wundschuh, Pilot: Standortentwicklung Gemeindeamt/Ortszentrum Wundschuh
  • Baukulturelle Bestandsaufnahme für die Teilregion Hügelland-Schöcklland

Aktivitäten 2019

  • Baukulturelle Bestandsaufnahme für weitere drei Betrachtungsregionen
  • Erstellung Leitbild

 

Das Projekt wird aus Mitteln der Region im Rahmen des Stmk. Landes- und Regionalentwicklungsgesetzes finanziert. Die inhaltliche Abstimmung in Form eines Monitorings erfolgt durch regelmäßige Koordinierungssitzungen eines eingerichteten Projektkernteams bestehend aus Regionalmanagement, Baubezirksleitung und Landentwicklung.

 

Projektträger: Regionalmanagement Steirischer Zentralraum

Kontakt: Anna Lampl, MSc lampl@zentralraum-stmk.at

Fachkoordination: Baubezirksleitung Steirischer Zentralraum, Referat für Wasser, Umwelt und Baukultur

Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerbeteiligung: Landentwicklung Steiermark

Projektlaufzeit: 06/2018 - 08/2020

1. Workshop zum baukulturellen Leitbild in Hart bei Graz

Eine qualitätsvolle zukünftige Siedlungsentwicklung und bewussteres Bauen soll den Steirischen Zentralraum noch lebenswerter machen.


Eines der Ziele des Projektes ist die Erarbeitung von baukulturellen Leitbildern, die für Gemeinden, Verwaltung und BauwerberInnen eine Unterstützung bei zukünftige Bauvorhaben darstellen sollen. Die Erarbeitung der Leitbilder erfolgt dabei auf Grundlage der bereits durchgeführten Baukulturellen Bestandsaufnahmen in den einzelnen Teilregionen. Für die 12 Gemeinden der Betrachtungsregion „Hügelland-Schöcklland“ fand am 20. September der 1. Leitbild Workshop in Hart bei Graz statt.

Die Gemeinde wurde dabei nicht zufällig gewählt. Allein 2018 kam es zu einem Bevölkerungsplus in der die Gemeinde von mehr als 3%, die Einwohnerzahl überschritt die 5.000 Einwohner Marke. Für 2019 ist eine ähnliche Steigerung zu erwarten. Aufgrund des Siedlungsdrucks sind daher zusätzliche, gestalterisch wirkende und steuernde Instrumente, für Bgm. Frey eine höchst notwendige und sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Planungsinstrumenten in Raumordnung und im Bauwesen. Eine gemeinsame, gemeindeübergreifende Betrachtung und Bearbeitung dient dem Verständnis und wird begrüßt.

Fachlich begleitet durch ein Architektenteam wurden bei diesem Workshop einzelne baukulturell bedeutsame Gestaltungselemente, wie etwa Stellung im Gelände, Gebäudeform, Gebäudehöhe, Dachformen, Einfriedungen oder auch Fragen der Außengestaltung oder Geländeveränderungen behandelt und für die weitere gemeindebezogene Anwendung definiert. Grundsätzliche, zukünftige Vorgehensweisen standen im Vordergrund. Eine detaillierte Betrachtung mit vorzusehenden Vorgaben werden in einem weiteren Treffen definiert, bevor das Leitbild zur gemeindeinternen Verwendung inkl. Information und Behandlung in den Gremien bereitgestellt wird.

Der Region Steirischer Zentralraum wurde für das Gesamtprojekt in drei weitere Betrachtungsregionen gegliedert. Für die Teilregionen Graz-Umgebung Süd, Graz-Umgebung Nordwest und Voitsberg werden in den nächsten Wochen ebenfalls die jeweiligen Bestandsaufnahmen präsentiert und Leitbildworkshops geplant.

1. Bürgermeisterfrühstück in der Marktgemeinde Kumberg

Am 14. Juni wurden im 450 Jahre alten Gebäude der Alten Backstube am Kumberger Hauptplatz die Ergebnisse der Bestandsaufnahme durch das beauftragte Projektteam Nina Kuess (Kuess Architektur ZT) und holz.architekten ZT KG, Karin Magnes und Andreas Voit, vorgestellt. In dieser Arbeit wurden vorhandene Strukturen, wie historisch gewachsene Dörfer und Siedlungsräume, aber auch Industrie- und Gewerbeflächen, sowie landwirtschaftliche Hofstellen exemplarisch dokumentiert.


Die Bestandsaufnahme dient als Grundlage für die Erarbeitung eines Baukulturellen Leitbildes und Leitfadens, welche in der Folge ab Herbst 2019 in mehreren Workshops mit GemeindevertreterInnen entwickelt werden sollen. Die einhellige Meinung und das Anliegen der anwesenden GemeindeverteterInnen ist es, die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung sowie Öffentlichkeitsarbeit zukünftig zu forcieren, um auf mehreren Ebenen ansetzen zu können. Workshops für Gemeinden sowie Informationen für BewohnerInnen und Bauherren sind geplant.

Projektziel ist es, das Verständnis für qualitativ hochwertiges und landschafts- und gebietsbezogenes Bauen zu fördern, sowie den Umgang mit bestehenden Strukturen und Entwicklungen, wie etwa den Klimawandel, zu berücksichtigen.