Der Wegweiser „Klimastarke Grünräume“ soll als Nachschlagewerk dienen, um Maßnahmen im Sinne einer klimafitten Grün- und Freiraumplanung gezielt zu unterstützen.
Grünräume und wassergeprägte Freiräume – so genannte grün-blaue Infrastrukturen –gewinnen durch ihren Beitrag zur Kühlung sowie Erhaltung der Aufenthaltsqualität immer mehr an Bedeutung und sind für den Erosionsschutz sowie als natürliche Wasserretentionsräume sehr wichtig. Auch mit ihrer Fähigkeit zur CO2-Speicherung konnte bis dato noch keine technische Erfindung mithalten.
Fünf zentrale Grundsätze veranschaulichen, wie Begrünungsmaßnahmen als Teil der Klimawandelanpassung strategisch geplant und umgesetzt werden können:

Begleitend zu unserem Wegweiser beleuchtet diese Beitragsreihe, wie Begrünung gezielt im Sinne der Klimawandelanpassung wirkt – und räumt mit Mythen auf.
#1 Die Schlüsselmaßnahme gegen Hitzestress

Die effektivste Maßnahme zur Reduktion von Hitzebelastung ist die Beschattung – rund 90 % der komfortsteigernden Wirkung von Pflanzen entsteht durch Schatten, nur etwa 10 % durch Verdunstungskälte.
Effektive Beschattung erzielt man insbesondere durch:
✅ Bäume mit einem Alter von mindestens 20 Jahren (Alleen & Einzelbäume)
✅ Pergolen mit Kletterpflanzen
✅ Bauliche Elemente wie Flugdächer, Schirme oder Sonnensegel
✅ Gezieltes Nutzen von Gebäudeschatten
Daher kommt dem Erhalt von Bäumen und der Schaffung beschatteter Aufenthaltsorte – etwa Sitzgelegenheiten, Spielflächen, Wartezonen und Alltagswege – eine immer wichtigere Rolle zu.
#2 Begrünung wirkt: Für spürbar mehr thermischen Komfort
Pflanzen und Grünräume verbessern das persönliche Wohlbefinden bei hohen Temperaturen und sind eine zentrale Maßnahme zur Klimawandelanpassung.
So wirken klimastarke Grünräume gegen Hitze:
✅Fassadenbegrünung: reduziert die Oberflächentemperatur von Fassaden je nach Ausrichtung um bis zu 17 °C
✅Schattenspendende Bäume: senken die gefühlte Temperatur unter der Baumkrone um 3–6 °C
✅Gründächer: verringern Dachtemperaturen um bis zu 28 °C, Innenraumtemperaturen um 1–6 °C
✅Grünflächen und Parkanlagen: senken Umgebungstemperaturen um 0,5–2,5 °C – große Parks (ab 2 ha) sogar um bis zu 5 °C und wirken darüber hinaus kühlend auf ihr Umfeld

#3 Mythos im Faktencheck: Begrünung schadet der Fassade?

Ein verbreiteter Mythos, der fachlich nicht haltbar ist.
Richtig ist: Bei intakten Fassaden verursacht z. B. Wilder Wein in der Regel keine Schäden – selbst bei direktem Mauerbewuchs. Die Blätter können die Mauer vor Schlagregen und Sonneneinstrahlung schützen und dadurch die Lebensdauer der Fassade sogar verlängern.
Bevor man mit Fassadenbegrünungen direkt an die Mauer geht, gilt es zu prüfen, ob die Fassade dem Gewicht einer großflächigen Begrünung standhält.
Bei gedämmten Fassaden oder größeren Flächen bieten sich vorgelagerte Begrünungssysteme an – etwa Holz- oder Stahlgerüste oder Seilspannsysteme. Dadurch erweitert sich auch die Pflanzenauswahl.
#4 Gewusst wie: Wasser gezielt erlebbar machen
Ergänzend zur Begrünung können sogenannte blaue Infrastrukturen zur sofortigen thermischen Entlastung beitragen – insbesondere bei hoher Hitzebelastung im öffentlichen Raum.
Die unmittelbare Abkühlung durch Benetzung der Haut ist dabei entscheidend. Wirksam sind insbesondere:
✅Trinkwasserinstallationen
✅Begehbare Brunnen
✅Nebelduschen mit direktem Kontakt
✅Wasserspiele wie z. B. Bodenfontänen
Weniger effektiv bzw. ungeeignet sind:
⛔ Nebelduschen ohne Hautkontakt (z. B. bei zu großer Distanz)
⛔ Brunnen, die nicht die Möglichkeit bieten, das Wasser zu berühren
⛔ mit Wasser benetzte Böden – einmaliges Wässern eines aufgeheizten Stein- oder Asphaltbodens bringt keine Abkühlung

#5 Retention und Schwammstadt
Die fortschreitende Flächenversiegelung reduziert die natürlichen Versickerungsmöglichkeiten. Grün-blaue Infrastrukturen übernehmen hier zentrale Funktionen für eine kontrollierte Versickerung und den Wasserrückhalt.
Dazu zählen unter anderem:
✅ Retentionsbecken
✅ Regenwasserteiche
✅ Sickermulden
✅ Einsatz versickerungsfähiger Beläge und Spurenwege
✅ Baumpflanzungen nach dem Schwammstadtprinzip
Beim Schwammstadtprinzip wird Regenwasser unter der Erde gesammelt und zwischengespeichert. Dabei können Wurzeln von Bäumen sogar unter Gehwegen, Parkplätzen oder Straßen wachsen. Genügend Wurzelraum sorgt dafür, dass die Bäume besser wachsen und älter werden und ein zusätzlicher Wasserspeicher bei Starkregen verfügbar ist.
Wichtig für erfolgreiche Baumpflanzungen nach diesem Prinzip sind:
✅Standort- und Baumartenwahl: Keine Konkurrenz mit Leitungen und Tiefbauwerken und Verwendung klimaresilienter, trockenheitsverträglicher Arten
✅Wurzelraum: mindestens 35m³ Platz pro Baum;
✅Richtige Substratwahl: Ein durchwurzelbares System aus Fein- und Grobproren versorgt Bäume langfristig mit Luft, Wasser und Nährstoffen Quelle: https://www.schwammstadt.at/
✅Versickerung maximieren: Regenwasser gezielt ins Erdreich leiten, z.B. durch abgesenkte Bordsteine oder spezielle Mulden Quelle: Berliner Regenwasseragentur I Leitfaden – Bäume und Regenwasser: Bäume klimaresilient mit Regenwasser bewässern

#6 Mythos im Faktencheck: Versickerungsfähige Beläge sind nicht barrierefrei?

Das war einmal! Mittlerweile gibt es wassergebundene Decken, Zement- oder kunstharzgebundene Edelsplittbeläge oder den so genannten Drainasphalt – allesamt versickerungsfähig und gut mit dem Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar.
Vorteile versickerungsfähiger Beläge:
✅ Reduktion urbaner Hitzeinseln: Helle, wasserdurchlässige Beläge senken die Oberflächentemperatur im Vergleich zu Asphalt um bis zu 6 °C
✅ Verringerung des Oberflächenabflusses: Regenwasser kann großteils versickern, was die Grundwasserneubildung fördert und potenzielle Folgekosten durch Starkregen reduziert
✅ Steigerung der Aufenthaltsqualität: Begrünte Pflaster und naturnahe Wege erhöhen das Wohlbefinden in öffentlichen Räumen spürbar
#7 Hänge natürlich stabilisieren
Bei Gefahren durch potenzielle Hangrutschungen können frühzeitig vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Neben dem Freihalten gefährdeter Zonen von Bebauung sind folgende Maßnahmen besonders wirksam:
✅Erhaltung einer ganzjährigen Begrünung (z. B. Wald, Grünland, Lochsaaten) zur Vermeidung von Flächenerosion
✅hangparallele Reihenbepflanzungen statt Pflanzungen in Falllinie
✅gezielter Einsatz tiefwurzelnder Baumarten (z. B. Kiefern), Vermeidung von Flachwurzlern
rasche ingenieurbiologische Sicherung bei beginnender Erosion (z. B. Nachsaaten)

#8 Mythos im Faktencheck: Wie schaut das denn aus?

Öffentliche Grün- und Freiräume müssen nicht immer streng gestutzt und intensiv gepflegt werden. Naturnahe Grünflächen bieten nicht nur ökologische Vorteile, sondern können auch ästhetisch überzeugen.
Beispielsweise sind viele sogenannte „Unkräuter“ in Wahrheit wertvolle Wildkräuter, die Artenvielfalt fördern.
Durch eine angepasste Pflegepraxis können Gemeinden auch Ressourcen einsparen:
✅pflegeaufwändige, jahreszeitlich wechselnde Bepflanzungen können z.B. in mehrjährige Gräser-Staudenmischungen umgestaltet werden
✅häufig gemähte Flächen können dort, wo kein laufender Betritt oder Aufenthalt stattfindet, zu Wiesen mit 1–2 Schnitten pro Jahr umgewandelt werden
✅auf Düngung verzichten und stattdessen artenreiche Blumen-Kräutermischungen verwenden
#9 Klimastarke Grün- und Freiräume durch vorausschauende Raumplanung fördern

Neben der Raumplanung gibt es zusätzliche Möglichkeiten, um klimastarke Grünräume in der Gemeinde zu fördern.
Folgende Instrumente haben sich in der Praxis bewährt:
✅Vertragsraumordnung: In Vereinbarungen mit Bauwerber:innen können gezielt Grünflächen, Spielplätze oder Parkanlagen gesichert werden
✅Bepflanzungsrichtlinien: Einheitliche Vorgaben zu Begrünung, Baumschutz und Pflanzqualität schaffen Klarheit und erleichtern Baumpflanzungen
✅Gestaltungsbeirat: Fachliche Qualität sichern, indem Expert:innen frühzeitig in Bauprojekte eingebunden werden – inklusive Außenraumplanung
✅Wettbewerbe: Kreative Lösungen fördern – etwa durch Planungs- oder Architekturwettbewerbe mit Fokus auf klimaangepasste Gestaltung
#10 Klimastarke Grün- und Freiräume durch vorausschauende Raumplanung fördern
Die örtliche Raumplanung ist ein zentrales Instrument, um grün-blaue Infrastrukturen langfristig zu sichern und klimaresilient zu gestalten. Durch gezielte planerische Maßnahmen können ökologische, gestalterische und soziale Qualitäten von Siedlungsräumen gestärkt werden.
Fachlich empfohlen werden folgende Planungsansätze:
✅ Grünes Netz planen: Öffentliche Wege mit Bäumen und grüne Freiräume als Grundlage im ÖEK festlegen
✅ Gestaltungsrahmen schaffen: Im Räumlichen Leitbild z. B. Vorgaben zu Dachbegrünung, Bepflanzung und Versiegelung definieren
✅ Nachverdichtung statt Flächenverbrauch: Aufgelassene oder untergenutzte Industrie- und Gewerbeflächen aktivieren
✅ Bebauungspläne nutzen: Vorgaben zu Baumerhalt, Grünflächenfaktor oder versickerungsfähigen Belägen festlegen

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